Hannover

Salomon Finkelstein

Aus der polnischen Industriestadt Łódź führte der Lebensweg eines jungen Abiturienten über Ghetto, Zwangsarbeit und mehrere Konzentrationslager nach Hannover, wo Salomon Finkelstein 1945 ein neues Leben begann. 1922 geboren, wurde er 1940 mit seiner Familie in das Ghetto Litzmannstadt verschleppt, später zur Zwangsarbeit am Reichsautobahnbau eingesetzt und 1943 in das KZ Auschwitz III Monowitz deportiert, bevor weitere Todesmärsche ihn nach Mittelbau Dora und Ravensbrück führten. Nach der Befreiung kam er zu einem früheren Mithäftling nach Hannover, eröffnete in der Stadt unter anderem einen Juwelierladen, ein Strickwarengeschäft und einen Imbiss am Steintor und wurde 1961 deutscher Staatsbürger.

In Hannover engagierte sich Finkelstein über Jahrzehnte in der Jüdischen Gemeinde, gehörte ihrem Vorstand an, war stellvertretender Vorsitzender im Zentralrat der Juden in Deutschland und später aktives Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde, in der er sich besonders für die jiddische Sprache einsetzte. Mehr als 60 Jahre schwieg er über die Lagerhaft, bis er ab 2008 als Zeitzeuge vor Schulklassen und 2010 im Niedersächsischen Landtag sprach, besonders eng verbunden mit der Albert-Einstein-Schule in Laatzen, die ihm 2019 das Ehrenabitur verlieh und ein Gebäude nach ihm benannte. Für seinen Einsatz für die Erinnerungskultur erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Laatzen, die Ehrennadel der Region Hannover, den Niedersächsischen Verdienstorden und den Theodor-Lessing-Preis, und er galt als letzter in Hannover lebender Überlebender des KZ Auschwitz.