Die Geschichte des Nationalsozialismus ist für Bernhard „Berni“ Esser kein fernes Kapitel, sondern Teil seiner eigenen Familiengeschichte. Der Großvater war KPD-Reichstagsabgeordneter, sein Vater Rudolf Esser überlebte das KZ Neuengamme, sein Onkel Alwin Esser wurde im KZ Fuhlsbüttel ermordet. Aus dieser Prägung heraus wurde Erinnerung für Berni Esser zu einer lebenslangen Aufgabe. Nach seinem Berufsweg bei der Deutschen Bundespost, wo er auch im Personalrat aktiv war, engagiert er sich seit 1993 in der Gedenkstättenarbeit in Neuengamme. Sein Leitsatz bringt diese Haltung klar auf den Punkt: „Gedenken ist Handeln.“
Dieses Engagement ist nicht nur persönlich, sondern auch organisatorisch fest verankert. Berni Esser gehört dem Vorstand des Freundeskreises KZ-Gedenkstätte Neuengamme an und war einer der Mitinitiatoren des „Orts der Verbundenheit“, eines Erinnerungsortes, an dem Angehörige ehemaliger Häftlinge mit Plakaten an ihre verfolgten Familienmitglieder erinnern und das Gedenken aktiv weitertragen können. Damit hat er an einer Form der Erinnerungskultur mitgewirkt, die nicht beim stillen Rückblick stehen bleibt, sondern Menschen zum Mitmachen, Weitererzählen und Eingreifen ermutigt.
Auch für Wandsbek ist Berni Esser seit vielen Jahren eine wichtige Stimme. Seit 2003 setzt er sich für eine würdige Erinnerung an das KZ-Außenlager Wandsbek ein, gestaltet die dortigen Gedenkfeiern mit und unterstützt die weitere Aufarbeitung der NS-Geschichte des Bezirks. Zugleich ist er am Runden Tisch Wandsbek beteiligt, der sich mit den Erinnerungsorten und der NS-Geschichte des Stadtteils befasst.
Wie gegenwärtig diese Aufgabe für ihn ist, zeigt sich auch in seiner Bildungsarbeit. Gemeinsam mit Barbara Brix spricht Berni Esser vor Schulklassen über NS-Familiengeschichten und den Kampf gegen Rechtsextremismus. Dabei geht es nicht nur um Erinnerung, sondern auch um Demokratie, Wachsamkeit und die Frage, was aus Geschichte für die Gegenwart folgt. Dass seine Stimme in dieser Arbeit weit über Hamburg hinaus wahrgenommen wird, zeigt auch eine Einladung zur Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag im Januar 2025.
